Wie wir heute arbeiten

Immer mehr Menschen in unserem Land werden untreu, zumindest im Arbeitsleben. Sie stellen nicht mehr ihre gesamte Arbeitskraft nur einem Arbeitgeber zur Verfügung, sondern gehen gewissermaßen mit Nebenbeschäftigungen fremd. Seit zwei Jahrzehnten lässt sich ein kontinuierlicher Anstieg dieser „Doppeljobber“ beobachten. Neben dem klassischen Minijob setzt sich hierbei wachsend die Selbständigkeit im Nebenerwerb durch.

Seit vielen Jahren entwickelt sich der deutsche Arbeitsmarkt für die Beschäftigten günstig, das Angebot an Arbeitsplätzen ist in vielen Branchen groß. Hinzu kommt der Wachstumsfaktur Teilzeitbeschäftigung, welcher durch die Brückenteilzeit im Teilzeit-und Befristungsgesetz in jüngster Zeit zusätzliche Verstärkung erfuhr. Diese beiden Kernfaktoren bieten jenen Menschen einen guten Boden, die auf eine Mehrfachbeschäftigung bauen. Doch welche Art der Mehrfachbeschäftigung wählen die Arbeitnehmer in Deutschland – und warum tun sie dies?

Der Klassiker: Haupt- und Minijob
Die bekannteste und mit Abstand am meisten gewählte Variante ist jene aus einer abhängigen Haupttätigkeit und einer nebenbei ausgeübten geringfügigen Beschäftigung. Diese Konstellation wurde durch die Arbeitsmarktreform der rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder aus dem Jahr 2003 maßgeblich angetrieben, die damalige Einführung des für Arbeitnehmer abgabenfreien Minijobs ließ die Zahl der Menschen mit Haupt- und Minijob von damals einer auf inzwischen mehr als drei Millionen ansteigen. Sehr viele Menschen setzen sich also einer regelmäßigen beruflichen Doppelbelastung aus – vor allen Dingen Frauen. Sie tun dies oftmals, weil sie ihre Hauptbeschäftigung nur in Teilzeit ausüben und entsprechende Zeitreserven haben. Viele Frauen (und natürlich auch Männer) „minijobben“ jedoch zusätzlich zum Haupterwerb, weil schlicht das Geld nicht reicht. Besonders betroffen sind hier Beschäftigte im Niedriglohnsektor und Alleinerziehende. Daneben gibt es natürlich auch andere Motivationen, sich beruflich zweizuteilen: die Urlaubskasse aufbessern, für ein neues Auto sparen oder einfach Spaß an der Freude.

Neuer Weg: die „Mini-Selbständigkeit“
In den vergangenen Jahren hat sich eine neue Art der Doppelbeschäftigung etabliert, die noch immer unterschätzt wird: immer mehr Arbeitnehmer sind gleichzeitig selbständig tätig. Inzwischen kennt unser Land gut 800.000 dieser Mini-Freelancer, die nicht selten in derselben Branche selbständig arbeiten, in welcher sie auch ihrer Hauptbeschäftigung nachgehen. Es handelt sich hier oftmals um sehr gut ausgebildete Menschen, die etwa im IT-Bereich, im Finanzwesen oder auch in der Entgeltabrechnung hauptberuflich angestellt und nebenbei auf eigene Rechnung unterwegs sind. Die Tendenz dieser modernen Form des Job-Splittings zeigt deutlich nach oben, unsere gute alte Arbeitswelt erfährt einen grundsätzlichen Wandel.

Die „Mini-Selbständigen“ dieses Landes haben ebenso wie die oben genannten Minijobber unterschiedliche Motive, beruflich mehrgleisig zu fahren. Gerade bei den

Nebenberuflichen Freelancern sind oftmals neben finanziellen Anreizen die Themen Selbstverwirklichung und Leidenschaft die Triebfedern. Was im Hauptjob durch den Chef oder die Kollegen begrenzt und oftmals sogar konterkariert wird, darf in der Selbständigkeit ausgelebt werden.

Fazit
Arbeiten nach Feierabend ist mehr als nur eine Modeerscheinung, drei Millionen Minijobber mit Hauptbeschäftigung legen Zeugnis davon ab. Deutschland arbeitet anders als noch zur Jahrtausendwende. Das gilt auch und gerade für den Bereich nebenberuflicher Selbständigkeit. Diese Kombination vereinigt zwei Welten: die abhängige Beschäftigung mit allen Vor- und Nachteilen und die selbstständige Arbeit. Das führt naturgemäß zu einer Veränderung des Arbeitsbewusstseins derart tätiger Menschen, die neben der üblichen Arbeitnehmerbrille wachsend auch die Augengläser des Unternehmers tragen.

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