Richtig abrechnen: Krank und Kurzarbeit

Die Auswirkungen der Pandemie sind in allen Bereichen zu spüren. Um finanzielle Härten zu mildern hat der Gesetzgeber zahlreiche Hilfspakete geschnürt sowie Gesetze und Verordnungen kurzfristig angepasst. Die Vorgaben zur Kurzarbeit sind deutlich herunter gesetzt und viele Unternehmen nutzen diese Möglichkeit seit März erstmalig.

Offensichtlich besteht eine große Unklarheit darüber, wie mit dem Thema „Krank bei Kurzarbeit“ umzugehen ist.

Aus dem Referat Leistungsrecht/Rehabilitation/Selbsthilfe des GKV Spitzenverband erreichte uns eine Information zu diesem Thema, die wir Ihnen weiter geben möchten.
Es ist grundsätzlich zu beachten, dass der Anspruchszeitraum für Kurzarbeit immer der gesamte Monat ist. Wenn Sie z.B. Kurzarbeit erst ab dem 16.03.2020 beantragt haben, und erst ab diesem Termin ein entsprechender Arbeitsausfall besteht, ist der zu betrachtende Zeitraum dennoch die Zeit ab dem 01.03.2020.

 

Es sind die folgenden Fälle zu unterscheiden:

Der Mitarbeiter erkrankt vor der Kurzarbeit

Die 6 Wochen Entgeltfortzahlung sind noch nicht abgelaufen, d.h. der Mitarbeiter hat noch einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung

  • Es wird noch gearbeitet: Entgeltfortzahlung für verkürzte Arbeitszeit + Krankengeld in Höhe des Kurzarbeitergeldes für die kurzarbeitsbedingten Ausfallstunden.
  • Es wird nicht mehr gearbeitet (Kurzarbeit Null): Krankengeld in Höhe des Kurzarbeitergeldes für die kurzarbeitsbedingten Ausfallstunden.

Die 6 Wochen Entgeltfortzahlung sind abgelaufen, d.h. der Mitarbeiter hat keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

  •  Der Arbeitnehmer hat für die weitere Zeit der Arbeitsunfähigkeit ausschließlich einen Anspruch auf Krankengeld.

Der Mitarbeiter erkrankt während der Kurzarbeit

Die 6 Wochen Entgeltfortzahlung sind noch nicht abgelaufen, d.h. der Mitarbeiter hat noch einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung

  • Es wird noch gearbeitet: Entgeltfortzahlung für verkürzte Arbeitszeit + Kurzarbeitergeld für die kurzarbeitsbedingten Ausfallstunden
  • Es wird nicht mehr gearbeitet (Kurzarbeit Null): Krankengeld in Höhe des Kurzarbeitergeldes für die kurzarbeitsbedingten Ausfallstunden

Die 6 Wochen Entgeltfortzahlung sind abgelaufen, der Mitarbeiter hat keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung

  • Der Arbeitnehmer hat für die weitere Zeit der Arbeitsunfähigkeit ausschließlich einen Anspruch auf Krankengeld.

Beispiel:

  • Beantragung Kurzarbeit ab 16.03.2020
  • Erster Arbeitsausfall Kurzarbeit 16.03.2020
  • AU des Mitarbeiters 05.03.2030

Viele Arbeitgeber gehen in diesem Fall davon aus, dass die Arbeitsunfähigkeit (AU) vor dem Beginn der Kurzarbeit eingetreten und in diesem Fall Entgeltfortzahlung zu leisten und abzurechnen ist.
Das ist jedoch falsch! Maßgebend ist, ob die Arbeitsunfähigkeit im Anspruchszeitraum entstanden ist. Der Anspruchszeitraum ist immer der ganze Monat, der im Beispiel am 01.03.2020 beginnt. Dem Mitarbeiter ist demnach für die AU ab dem 05.03.2020 Kurzarbeit zu zahlen und abzurechnen und zwar in dem Rahmen, in dem im Unternehmen kurz gearbeitet wird (im konkreten Beispiel vom 05.03.2020 normale Entgeltfortzahlung, ab dem 16.03.2020 Kug in Höhe der geplanten Ausfallstunden). Die Erstattung hierfür ist bei der Agentur für Arbeit zu beantragen.

Nur wenn die AU in dem Beispiel vor dem 01.03.2020 angefangen hätte, wäre die Erstattung für Kug krank ab dem 16.03.2020 bei der Krankenkasse zu beantragen.

Sie sehen: Es ist ein sehr komplexes Thema.
Falls Sie weiterführende Informationen wünschen, fordern Sie gerne Unterlagen per Mail an.

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